Chronik


Kurzfassung - Chronik

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden überall in Deutschland Gesangvereine. Der 1. Männergesangverein (MGV) wurde in Berlin 1808 unter dem Dirigenten Karl-Friedrich Zelter gegründet.

Zu damaliger Zeit hatten die Gesangvereine zum einen die Aufgabe das kulturelle Leben der Gemeinde zu gestalten, zum anderen spiegelten sie die gesellschaftlichen Strukturen wieder. Mitglieder der Gesangvereine waren nicht in 1. Linie sangesfreudige Bürger, sondern die Honoratioren des Ortes. Aus der Auffassung von Politik und Gesellschaft erklärt sich daher, dass in jenen Zeiten ausschließlich Männer in öffentlichen Vereinen sangen.

Ein vergilbtes Blatt aus dem Jahre 1837 ist der Nachweis, dass in Traunstein bereits ein Liederkranz bestand. Auch in anderen Orten des südbayerischen Raumes hatten sich Gesangvereine gebildet, 1841 in Wasserburg, 1845 in Aibling, Laufen und Trostberg, 1846 in Rosenheim, 1847 wurde in Reichenhall eine Liedertafel ins Leben gerufen. Aus dem 1852 gegründeten Chiemgauer Musikverein, dessen Mitglieder aus dem Gebiet zwischen Rosenheim und Traunstein kamen, ging 1870 die Liedertafel Prien hervor.

Wie kam es zur Gründung des Chiemgau-Sängerbundes?

Der am 17. 3.1861 in Landshut gegründete Bayerische Sängerbund (BSB), schickte seine Apostel hinaus in die Gaue. Zwei der eifrigsten waren der Bezirkssekretär Karl Reiner, Chormeister der Liedertafel Traunstein und der Rentbeamte Hartwig Peetz, ebenfalls Traunstein. Diese brachten die Vereine zwischen Inn und Salzach dazu, sich zu einem Gauverband zusammenzuschließen. Am 25. 10. 1862 erfolgte in Traunstein die Gründung des Chiemgau-Sängerbundes mit den Liedertafeln bzw. Liederkränzen aus folgenden Städten: Traunstein, Trostberg, Burghausen, Berchtesgaden, Reichenhall, Rosenheim, Wasserburg, Laufen-Oberndorf, Tittmoning und Aibling.

Seine Hauptaufgabe erblickte der Chiemgau-Sängerbund (Ch.S.B.) in der reibungslosen Vermittlung der allgemeinen Angelegenheiten zwischen ihm und dem BSB bzw. Deutschen Sängerbund (DSB) und im leichteren "Exekutieren" beim gemeinsamen Auftreten. Das Gründungsfest, vorbereitet und durchgeführt von der Liedertafel Traunstein, wurde am 24. und 25. August 1863 in Traunstein gefeiert. Die Anwesenheit der Könige Maximilian 11. und Otto von Griechenland, sowie der Erzherzogin Hildegard von Bayern, gab den Festlichkeiten einen besonderen Rahmen.

Die Gründung des Ch.S.B. wirkte sich sehr belebend auf die angeschlossenen Vereine aus. Trotz Schwierigkeiten wie weite Entfernungen und nicht geeignete Verkehrsmittel, erfreuten sich die gemeinsamen Proben und Gaufeste einer regen Beteiligung. Beschwerliche und kostspielige Anreisen nahmen die Sänger gerne in Kauf, war dies doch eine der wenigen Gelegenheiten mit anderen Chören Erfahrungen auszutauschen, und Freundschaften zu pflegen. Leider wirkten sich die Kriege 1866 und 1870/71 lähmend auf das Vereinsleben auch im Bund aus. Trotzdem ließ man sich nicht entmutigen und feierte 1872 das 25jährige Gründungsfest der Liedertafeln Rosenheim und Traunstein und 1875 das der Liedertafel Reichenhall.

Im Juli 1873 wurde Karl Reiner Traunstein, zum 1. Bundesdirigenten ernannt.

Im August 1874 fand, unter großer Beteiligung von Sängern aus dem Ch.S.B., in München das 2. DSB-Fest statt.

Bereits das 3. Bayerische Sängerfest fand 1876 unter der Organisation des Ch.S.B. in Traunstein statt, an dem sich 63 Vereine mit ca. 1300 Sängern beteiligten. Im September des gleichen Jahres beging der Ch.S.B. auf der Herreninsel ein Gaufest. Mit Extraschiff und angehängtem Trajektschiff wurden 600 Personen über den See gebracht. Die Veranstaltung fand im alten Bibliotheksaal des ehemaligen Klosters und heutigen Schlosses statt, dessen Benutzung König Ludwig 11. erlaubt hatte. Auf die von den Sängern an den König abgesandte, telegraphische Huldigung, erhielt die Priener Liedertafel folgendes Antworttelegramm: "Schloß Berg, 11. September. Seine Majestät der König lassen den Sängern des Chiemgaus für ihre Versicherung treuer Anhänglichkeit besten Dank sagen und entbieten denselben huldvollsten Gruß. Im allerhöchsten Auftrag: Legationsrat Dr. v. Ziegler, Ch.S.B.-Fest am 14. Juli 1878 in Aibling."

Nach einigen Jahren der Stagnation wurden Ostern 1908 in Freilassing neue Impulse gesetzt. Im September des gleichen Jahres konnte in Reichenhall ein Ch.S.B.-Fest abgehalten werden. Die Gemeinschaft hatte sich inzwischen durch die Vereine Ruhpolding, Obersee, Grabenstätt und Bergen erweitert.

Im Mai 1909 legte der Ch.S.B., auf der Delegiertenversammlung in Prien, seine Grenzen auf das Gebiet zwischen Inn und Salzach fest.

1914 zählte der Ch.S.B. bereits 26 Mitgliedsvereine mit 350 aktiven Sängern.

Zur Abhaltung des Sängerfestes 1915 war Siegsdorf ausersehen, doch vereitelte der 1. Weltkrieg dieses Vorhaben auf mehrere Jahre.

1923 kam aus Wasserburg die Anregung den Ch.S.B. wieder ins Leben zurückzurufen. Dies war jedoch noch zu früh, denn der Krieg hatte zu große Lücken in die Reihen der Sänger geschlagen.

Trotzdem sammelten sich um die alte Garde neue Sänger, und so konnte 1924 in Siegsdorf wieder ein Ch.S.B.-Fest gefeiert werden.

Weitere Feste wurden 1925 in Traunstein und 1926 in Teisendorf abgehalten. 1927 konnte man in Reichenhall gemeinsam das 80jährige Bestehen der gastgebenden Liedertafel feiern. An diesem Fest nahmen alle Vereine des Bundes teil.

Im Mittelpunkt stand die Weihe des oben abgebildeten Banners des Ch.S.B. (zur Aufbewahrung im Heimatmuseum der Stadt Traunstein), das vom Traunsteiner Kunstmaler Hans Kaufmann entworfen wurde. Die kunstgewerbliche Anfertigung kam insgesamt auf 629 Mark, zu welcher der Bund 300 Mark, die Städte Traunstein und Reichenhall je 100 Mark, die Städte Trostberg und Wasserburg je 50 Mark beisteuerten.

Nachdem die Vereine sich Reisekassen angelegt hatten, war es zahlreichen Mitgliedern des Ch.S.B. möglich, am Wiener-Sängerfest 1928 teilzunehmen, Eine neue Entwicklung der Sängerfeste wurde 1929 in Trostberg eingeleitet. Erstmals wurden unter Leitung der Bundeschormeister Kellenberger Traunstein und Böhm Wasserburg, Massenchöre mit 500 Sängern aufgeführt. Der Chronist schreibt darüber: "Das Chorkonzert bewies so recht, auf welchem Niveau die im Bund zusammengeschlossenen Vereine stehen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Ch.S.B., der in Bayern der räumlichen Ausdehnung nach an 1. Stelle, der Zahl seiner Mitglieder nach an 2. Stelle steht. Vortrag eines Massenchores beim BSB-Fest 1930 in München aufgefordert wurde."

Die Begeisterung zur Musik, die Organisation und der Zusammenhalt inne halb des Ch.S.B. waren so groß, daß die Teilnahme von Sängern an Festen außerhalb des Chiemgaus selbstverständlich waren.

So beteiligte sich der Ch.S.B. 1936 beim 75jährigen Bestehen des BSB in Passau und 1937 beim 75jährigen Bestehen des DSB in Breslau.

In der Folgezeit warf das 3. Reich auch auf den Ch.S.B. seine Schatten, so dass die Tätigkeit in den Vereinen zum Erliegen kam.

Nach erzwungener Pause gaben die Priener, anläßlich ihres 100jährigen Bestehens, wieder den Anstoß zur Wiederbelebung des Ch.S.B. Sie fand am 14. 2. 1954 in Traunstein statt. In Anwesenheit der Vertreter des BSB, Bundesvorsitzenden Professor Dr. Pfanner und Bundeschormeister Haas, beide aus München, wurde Johann Haase, Vorsitzender und Mitbegründer des Sängerchores Traunreut, zum 1. Kreisvorsitzenden gewählt. 2. Kreisvorsitzender wurde Erhard Kraus, Vorsitzender der Liedertafel Prien. 1. Kreischorleiter wurde Josef Hufnagel, Chorleiter der Liedertafel Prien und 2. Kreischorleiter wurde Johannes Kopplin, Chorleiter und Mitbegründer des Sängerchores Traunreut. Auf Vorschlag von Präsident Dr. Pfanner, trägt der wiedergegründete Sängerkreis nun den Namen "Chiemgau-Sängerkreis".

Bundeschormeister Haas bat die Chorleiter und Vorstände ihre Arbeiten eindeutig nach dem Punkt 1 des Kulturprogramms auszurichten, der sagt:

"Der Gesangverein ist nicht Selbstzweck, der Chor ist der Mittelpunkt."

Dem wiedergegründeten Ch.S.Kr. gehörten folgende 15 Vereine an:

Liederkranz Bad Reichenhall St. Zeno, Liedertafel Berchtesgaden, Liederkranz Freilassing, die Liedertafeln Laufen, Tittmoning, Traunstein, MGV Traunstein, Sängerchor Traunreut, Liedertafel Prien, MGV Bernau, Liederkranz Trostberg, MGV Trostberg und Breitbrunn, Harmonie Teisendorf, Musik- und Gesangverein Kirchanschöring.

442 Sänger, 174 Sängerinnen = 616 Sänger, 584 Fördernde ergibt eine Gesamtmitgliederzahl von 1200.

Das 1. Kreis-Sängertreffen fand anläßlich der Fahnenweihe des MGV Bernau im Juli 1954 statt.

Das 1. Chiemgau-Sängerfest war im Juli 1955 in Teisendorf. Unter der Stabführung von Direktor Reitmeier wurde sein eigenes Werk, "die Friedensmesse", aufgeführt. Bei diesem Fest erhielt Herr Reitmeier den Ehrenbrief für 50jährige Dirigententätigkeit durch den BSB.

1957 gehörten dem Ch.S.Kr. 20 Chöre mit 812 aktiven und 717 fördernden Mitgliedern = 1529 an. Die Kreissingen in verschiedenen Orten nahmen ihren Fortgang, immer wieder angeregt durch den Kreisvorsitzenden Johann Haase, der einmal sagte:

"Unser Gästesingen ist kein Sängerwettstreit, sondern ein Freundschaftssingen."

Man traf sich dazu 1958 in Holzhausen bei Teisendorf, 1959 in Siegsdorf, 1960 in Kirchanschöring. Zu einem besonderen Höhepunkt in der Geschichte des Ch.S.Kr. wurde die 100Jahrfeier am 7. 10. 1962 in Siegsdorf. Vier Konzerte wurden im Ort aufgeführt und in dem Festgottesdienst wurde die a-capella-Messe von G. B. Casali, unter Leitung des 2. Kreischorleiters, Alois Geiger Siegsdorf, gesungen.

In mühsamer Kleinarbeit hatte Herr Johann Haase eine Kreischronik erstellt, die jedem angeschlossenen Verein bei der Jahrhundertfeier überreicht wurde.

An seinem 65. Lebensjahr im Januar 1970, stellte Herr Johann Haase, nach 16jähriger Tätigkeit, sein Amt zur Verfügung. Es war nicht immer leicht Kandidaten für das Amt des 1. Kreisvorsitzenden zu finden und so war es auch 1970. Nachfolger von Herrn Haase wurde zunächst für 1 Jahr Kapellmeister Josef Hipper, Prien. Dann übernahm, da sich niemand zur Verfügung stellte, Herr Hannes Kopplin, Traunreut, der bereits seit 5 Jahren erfolgreich 1. Kreischorleiter war, auch noch das Amt des 1. Kreisvorsitzenden bis 1974 dazu.

Andy Mayr Emertsham (1974-1982) und Peter Perseis Traunstein (1982-1990), Anton Uhl (1990-2000), Peter Perseis (2000 bis 2012), Albert Müller (ab Okt. 2012) führten erfolgreich die Arbeit ihrer Vorgänger fort.

1978 stellte sich Herr Kopplin nach 12jähriger Tätigkeit als 1. Kreischorleiter nicht mehr zur Wahl. Sein Nachfolger wurde Herr Hans Brandl, Bad Reichenhall (1 978-1988). Unter seiner Leitung wurden die Kreissängertreffen nun fortgesetzt, mit einer individuellen Programmgestaltung.

1983 wurde für den Verein eine Satzung erstellt, die von der Delegiertenversammlung am 5. 11. 1983 beschlossen wurde. Die Eintragung in das Vereinsregister beim Amtsgericht-Registergericht Traunstein, erfolgte am 24. Juli 1984 unter Nr. 475. Der Verein trägt nun den Namen:
Chiemgau-Sängerkreis 1862 e.V. Traunstein.

Am 26.03.1988 wurde Rolf Kraus zum 1. Kreischorleiter gewählt und führte dieses Amt erfolgreich bis 1990 aus. Er wurde von Richard Kalahur abgelöst, welcher 10 Jahre, bis zum Jahr 2000 dieses Amt übernahm. Ab dem Jahr 2000 führt Wilhelm Weitzl nun als 1. Kreischorleiter dieses Amt aus.

Heute, nach 150 Jahren, gehören dem Ch.S.Kr. 20 Chöre mit ca. 650 aktiven und ca. 1050 fördernden Mitgliedern an.
Alle Chöre bekennen sich zur Mitgliedschaft im BSB bzw. DSB. Die Ausbildung und Förderung junger Chorleiter in den Feilnbacher Chorwochen, wird vom Ch.S.Kr. stets begrüßt, gefördert und dankbar angenommen. Ebenso die gewünschten Sondervorträge von namhaften Repräsentanten des BSB zu aktuellen Fragen.


Das gemeinsame Erleben von Musik und Gesang fördert den Kontakt zwischen den Chören des Ch.S.Kr.. "Singen heißt Verstehen" war einmal das Motto eines Bundestreffens, und wir im Chiem- und Rupertigau verstehen uns auf solche Weise und wollen das freundschaftliche Band für die Zukunft erhalten.